Zur Vereinsgeschichte
Das erste Protokoll
“Am 22. März 1955, abends um 20.00 Uhr fand im ‘Haus der Jugend’ die Gründungsversammlung des ‘Judo-Club Pforzheim’ statt.
Emil Gerstenäcker hatte in seiner Einladung folgende Tagesordnung vorgeschlagen:
Punkt1:
Gründung eines Vereins zur Pflege und Förderung des Judo-Sports
unter der Bezeichnung ‘Judo-Club Pforzheim’
Punkt2:
Wahl der Vorstandsmitglieder
Punkt3:
Verschiedenes
In die Anwesenheitsliste trugen sich ein:
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1. Emil Gerstenäcker † |
13. Edgar Kunzmann |
Die Gründung des Vereins unter der Bezeichnung ‘Judo-Club Pforzheim’ wurde von den Anwesenden gebilligt.
In die Vorstandschaft wurden gewählt:
1. Vorstand Emil Gerstenäcker
Kassier Heinz Aeschbach
Schriftführer Helmuth Aydt
Dem Verein wird erst eine Halle zur Verfügung gestellt, wenn er dem Badischen Sportbund angehört. Mit dem Trainingsbeginn muß deshalb noch eine Weile gewartet werden.
Judo-Lehrer des neuen Vereins ist Herr Michael Simon.
Neben der Kursgebühr soll später noch ein Beitrag erhoben werden.
Die Satzungen sollen noch ausgearbeitet werden und der Mitgliederversammlung zu einem späteren Zeitpunkt zur Genehmigung vorgelegt werden.
Die harmonisch verlaufene Gründungsversammlung war gegen 22.00 Uhr beendet.’
Der Schriftführer:
gez. Helmuth Aydt”
Die Pionierzeit
Das Judo-Training begann 1955 auf einer gebrauchten Ringermatte in der Brötzinger Börth-Halle. Das erste große Trainingserlebnis hatten unsere damaligen Aktiven: Schiebeling, Stumpp, Hoffmann, Maierhofer, Binder und S. Hirth bei einem Lehrgang in Tailfingen, den Judo-Weltmeister Tokio Hirano leitete.
Auf die Wettkampfebene wagte man sich erstmals im März 1956 bei den Kreismeisterschaften in Karlsruhe. Es gab dritte und vierte Plätze.
Mit den Nordbadischen Mannschaftsmeisterschaften richtete der Judo-Club Pforzheim am 14.04.1957 in der Jahnhalle zum ersten Mal eine Sportveranstaltung aus und im Mai des gleichen Jahres bezog man in der Buckenberg-Schulturnhalle ein neues Trainingsdomizil.
Die ersten Gürtelprüfungen wurden im Dezember 1956 von dem – auch durch seine frühere Rundfunkgymnastik bekannten – Stuttgarter Sportlehrer Alfons Glucker abgenommen.
Die ersten Vereinsmeisterschaften fanden im November 1958 auf Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden Rudi Maisenbacher statt.
In die Chronik der Vereinsmeister von 1958 – 1964 schrieb sich 5 Mal Manfred Schäfer, 4 Mal Heinz Oberle, 3 Mal Siegfried Hirth, 2 Mal Werner Klittich, Klaus Hauf und Armin Schwerdtfeger ein. Je einmal siegten Rudi Müller, Kurt Ilginis und Kurt Hettl.
Auf geselligem Gebiet waren schon damals die den Vereinsmeisterschaften folgenden Vereinsfeste gerne besuchte Veranstaltungen mit schönen und bleibenden Erinnerungen.
Stolz war man auf unsere ersten DAN-Träger in Pforzheim. Am 08.10.1961 bestanden Manfred Schäfer und Rudi Müller ihren Schwarzgurt. Prüfer war der damalige Bundestrainer Watanabe, der spätere Bundestrainer und heutiges Ehrenmitglied Heiner Metzler sowie SK Schwiers (PSV Mannheim) und der damalige Landesvorsitzende Willi Beck.
Unser Rudi Müller war auch lange Zeit der erste Bundeskampfrichter aus unseren Reihen. Er war der Initiator eines neuen Austragungsmodus für Wettkämpfe, den der Deutsche Judo-Bund bei der Konferenz in Rio de Janeiro vorstellte und das dann unter dem Namen ‘Brasilianisches System’ auf der ganzen Welt bekannt und angewandt wurde.
Durch Erreichen des 1. DAN-Grades erlangten Manfred Schäfer und Rudi Müller die Berechtigung, Gürtelprüfungen im eigenen Verein abzuhalten. Unter ihren damaligen Prüflingen befanden sich der spätere VfR-Spieler Arno Müller sowie René Weller, der einmal Boxeuropameister werden sollte.
Dem Judo-Sport treu blieben Manfred Schäfer und Kurt Ilginis, die sich als Teilnehmer der Süddeutschen Meisterschaften empfahlen. Bei der Jugend drängte Hermann Meyer nach vorne. Er qualifizierte sich zwei Mal für die Deutschen Jugendmeisterschaften. Einmal gelang dies auch Michael Daub und Peter Seib.
Der Beginn von Freundschaftsbegegnungen war im April 1961. Die Gegner hießen Heilbronn und Winterthur/Schweiz. Im September 1962 folgte in Zweibrücken eine Begegnung gegen Heusweiler/Saar, Worms, Zweibrücken und Boulogne-sur-Mer. Der JCP belegte jeweils zweite Plätze.
Der Judo-Club Pforzheim empfahl sich 1962 erstmals mit der Ausrichtung des ‘Judo-Goldstadt-Wanderpokal-Turniers’ in der Jahnhalle, die in den Folgejahren erstklassige Mannschaften und spannende Kämpfe nach Pforzheim holte. Der von uns gestiftete Wanderpokal blieb letztendlich beim ESV München. Aus Freude über den Verbleib des schönen Pokals wurden wir immer nach München zum ‘Oktoberfest-Turnier’ eingeladen. Viele freudige Erinnerungen verbinden uns mit diesem Turnier, das unter der Regentschaft von Richard Unterburger stand.
Die Führungsriege
Emil Gerstenäcker, der die Gründungsversammlung einberufen hatte, übernahm auch den Posten des 1. Vorsitzenden. Er war es, der den Verein aus den Anfangsschwierigkeiten herausgeführt hatte und Pionierarbeit leistete.
Nach dreijähriger Amtszeit wurde er von Rudi Maisenbacher abgelöst, der in den folgenden acht Jahren dem Verein wesentliche Impulse gab. Er war der Initiator der ‘Goldstadt-Wanderpokalturniere’ in der Jahnhalle, er begann mit den Vereinsmeisterschaften und ehrte die Sieger beim anschließenden Vereinsfest. Der Verein wuchs auf 230 Mitglieder an. Es bildete sich unter dem damaligen, ideenreichen Jugendleiter und späteren Vizepräsidenten Rudi Müller, eine erfolgreiche Jugendmannschaft heraus.
Einen weiteren Wechsel im Vereinsvorsitz gab es im November 1966. Der bisherige Schriftführer Manfred Gauß wurde kommissarischer 1. Vorsitzender. Im Januar 1967 wurde er von der Mitgliederversammlung zum Präsidenten und Geschäftsführer gewählt.
In dieser starken Position gelang es Manfred Gauß durch aufopferungsvolle Tätigkeit, den Verein zu einem der größten Fachvereine in Deutschland mit teilweise 1.200 Mitgliedern werden zu lassen. Er gab dem Verein ein eigenes Dojo und richtete mit seinem Team viele Großveranstaltungen aus, die vom Deutschen Judo-Bund als vorbildlich herausgestellt wurden.
Manfred Gauß führte 1974 die Judo-Stadtmeisterschaften ein, die sich eines starken Zuspruchs erfreuen. Aufgrund der ansteigenden Vereinsgröße wurde im gleichen Jahr erstmals ein vom Vereinsfest getrenntes Schülerfest veranstaltet, das mit 140 Schülern im damaligen ‘Hotel Martinsbau’ gleich ein voller Erfolg wurde.
Im Verein hat Manfred Gauß neben Judo und Ju-Jutsu mit Taekwondo und Karate weitere Budo-Disziplinen in den Verein integriert und Kendo ins Leben gerufen. Der jüngste Spross, Aikido, kam 1987 hinzu.

Auf dem Vereinsfest vom 5. November 1977.
Von links: Horst Menz, langjähriger Vizepräsident und späterer Bundeskampfrichterreferent, Rudi Maisenbacher, JCP-Vorsitzender 1958-1966, Manfred Gauß, Vereinspräsident und Geschäftsführer seit Nov. 1966, Robert Vetter, langjähriger Verbandspräsident, späterer Präsident des DJB und Ehrenmitglied, Willi Beck, früherer 1. Vorsitzender des Judo-Verbandes Nordbaden und Emil Gerstenäcker, JCP-Vorsitzender 1955-1958

